IDEE UND GESCHICHTE DER HEINRICH-VOGELER-GESELLSCHAFT

»Wer 1972 vor dem Worpsweder Barkenhoff stand, konnte nur den Kopf schütteln vor einem maroden, baufälligen Gebäude. Wir fragten uns: Soll dieser einst schöngeistige Umschlagplatz von Worpswede so ein schäbiges Ende finden? […]

Wissen Sie eigentlich, was damals Bauspekulanten hier vorhatten? Luxus-Bungalows, Zersiedlung […]

Die Leute dieser Initiativgruppe hatten etwas Besseres im Sinn. Parteizugehörigkeit und Ländergrenzen spielten dabei überhaupt keine Rolle. Sie waren einfach von ihrer Sache überzeugt, den Barkenhoff zu retten: Eben jene Stätte eines künstlerischen Schaffens und eines freien, gewiss auch utopischen Denkens. Diese Vision hielten die Fürsprecher eines Neubeginns am Barkenhoff für bleibend aktuell und überhaupt nicht für eine marode Utopie […]«

(aus der Rede des damaligen Vorsitzenden Ernstheinrich Meyer-Stiens anlässlich der Wiedereröffnung des sanierten Barkenhoff am 12. Dezember 2004)

Aus dieser Initiative heraus wurde am 14. Februar 1975 in den Räumlichkeiten des Café Worpswede der Verein Barkenhoff Worpswede e.V. gegründet, der sich vier wichtige Ziele setzte:

  • Erhaltung des Barkenhoff als Heinrich-Vogeler-Museum
  • Einrichtung eines Archivs mit Forschungsstätte
  • Errichtung eines Kommunikationszentrums zum Nachdenken über Leben und Werk Heinrich Vogelers
  • Gründung einer Stipendiatenstelle zur Künstlerförderung in Worpswede

Die Rettung des Barkenhoff vor Verkauf und Abriss hatte in Worpswede und Bremen nicht nur Befürworter.  Zwar hatte die Gemeinde Worpswede den Barkenhoff am 30. Januar 1972 mit finanzieller Hilfe aus Mitteln der gemeinsamen Landesplanung Niedersachsen-Bremen, der Stiftung Worpswede und einer Spende der Firma Kaffee HAG erworben, doch war die weitere Nutzung des Anwesens umstritten. Überlegungen zur Errichtung einer Lehrerfortbildungsstätte der Länder Niedersachsen und Bremen oder die Gründung einer internationalen Begegnungsstätte Ost-West unter dem Friedensgedanken Heinrich Vogelers oder eine norddeutsche Villa Massimo waren im Gespräch. Die Errichtung eines reinen Museumsbetriebes stand zu diesem Zeitpunkt nicht auf der Agenda. Zudem war das Gebäude in einem sehr schlechten Zustand: das Dach undicht und das Innere des Gebäudes feucht.

So dauerte es noch sieben Jahre, bis der Barkenhoff am 10. Oktober 1981 seiner neuen Zweckbestimmung übergeben werden konnte, als Stätte der Pflege des künstlerischen Vermächtnisses Heinrich Vogelers, als Künstlerförderungsstätte und als Stätte der Begegnung und des Gedankenaustausches zwischen Kunst und Gesellschaft. Träger des Barkenhoff wurde die Barkenhoff Stiftung Worpswede.

Als diese im Januar 1981 gegründet wurde, war es folgerichtig, dass der Verein Barkenhoff Worpswede neben den Bundesländern Niedersachsen und Bremen, dem Landkreis Osterholz, der Gemeinde Worpswede, der Erbengemeinschaft Martha Vogeler, die Stiftung Worpswede und des Worpsweder Archivs (Hans-Hermann Rief) zu den Gründungsmitgliedern gehörte. Mit einer Einlage von 10.000,– DM beteiligte man sich am Stiftungsvermögen. Auch heute noch gehört der Verein zu den Mitgliedern der Barkenhoff Stiftung Worpswede und ist damit im Kuratorium der Stiftung mit vollem Stimmrecht vertreten.

Neben der finanziellen Unterstützung des Projektes Barkenhoff für die baulich notwendigen Renovierungsmaßnahmen und der Pflege der Außenanlage stand für den Verein Barkenhoff Worpswede e.V. vor allem die Belebung des Ensembles im Blickpunkt. Wichtige Zielsetzung war die Einrichtung einer ständigen Heinrich-Vogeler-Ausstellung mit festen Öffnungszeiten. Aber auch die Organisation oder Unterstützung diverser Ausstellungen (z.B. Vogelers Russland-Zeichnungen oder Otto Ubbelohde und Worpswede) sowie Vortragsveranstaltungen oder Gesprächsrunden (z.B. Zeitgenossen Vogelers berichten) waren wichtige Meilensteine dieser Aufbauphase.

Durch verschiedene Ankäufe konnte der Verein den Grundstock für das heutige Archiv legen.

Nach der Rettung des Barkenhoff erweiterte sich die Zielsetzung des Vereins. Nun standen neben der Unterstützung des Barkenhoffs die Förderung von Leben und Werk Heinrich Vogelers im Fokus. Aus diesem Grunde benannte am 21. September 1986 die Mitgliederversammlung den Verein in Heinrich-Vogeler-Gesellschaft Verein Barkenhoff Worpswede e.V. um.

Als konsequente Umsetzung dieser neuen Zielsetzung fand vom 11. bis 13. Mai 1984 das 1. Heinrich-Vogeler-Symposium in den Räumlichkeiten des Niels-Stensen-Hauses in Lilienthal-Worphausen statt. Thema: Auf der Suche nach dem neuen Menschen – Heinrich Vogelers Utopie einer neuen Gesellschaft. An drei Tagen befassten sich verschiedene Referenten in Vorträgen und Diskussionsrunden mit Fragen der Vogeler-Forschung. Der große Erfolg dieses ersten Symposiums machte Mut, weitere Veranstaltungen dieser Art durchzuführen. Bis zum heutigen Zeitpunkt (Mai 2014) wurden sieben Heinrich-Vogeler-Symposien durchgeführt, die teilweise auch publiziert wurden (vgl. dazu auch Chronik der Heinrich-Vogeler-Gesellschaft und Archiv). Für das Jahr 2015 ist das 8. Symposium in Berlin geplant.

Bei Vortragsveranstaltungen, Lesungen und Bildungsreisen sowie durch die finanzielle Unterstützung diverser Publikationen wird das Leben und Werk Heinrich Vogelers weiter erforscht und in der Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Um den Barkenhoff zu fördern und die Vogeler-Freunde zueinander zu bringen, wird seit einigen Jahren das Rosenfest auf dem Barkenhoffgelände gemeinsam von der Heinrich-Vogeler-Gesellschaft und der Barkenhoff-Stiftung Worpswede durchgeführt. Als Kulturfest für die ganze Familie gehört das Rosenfest mittlerweile zu den Höhepunkten (nicht nur) im Worpsweder Veranstaltungskalender.

Werden Sie Mitglied in der Heinrich-Vogeler-Gesellschaft!

Mit Ihrer Mitgliedschaft unterstützen Sie unser Engagement für Leben und Werk Heinrich Vogelers und den Erhalt des Barkenhoffs mit seinen Gartenanlagen. Vielleicht haben Sie auch Interesse, in unserer Gesellschaft aktiv mitzuarbeiten. Wir freuen uns auf Sie!

Burckhard Rehage (Vorsitzender), 2014